Web-GIS in der Schule
Geo-Informationssysteme (oder kurz GIS) dienen zur Erfassung, Verwaltung, Bearbeitung, Analyse, Modellierung und Visualisierung raumbezogener Daten und ihrer Beziehungen. Die Anwendungsmöglichkeiten sind äußerst vielfältig und umfassen Verwaltung und Planung ebenso wie Umwelt- oder Ressourcenschutz, Landschaftsplanung, Vertrieb, Landwirtschaft, Geologie oder Geographie – kurz gesagt: alle Fachgebiete, die Daten mit Raumbezug nutzen.
Im Gegensatz zu herkömmlichem Kartenmaterial haben GIS mehrere beträchtliche Vorteile: Während Atlanten oder Karten in Papierform nur die globale, kontinentale und nationale Ebene berücksichtigen können, stehen bei digitalen Karten in den allermeisten Fällen auch „lokale Daten“ – also Karten und Pläne mit einem größeren Maßstab und/oder für spezielle Themen wie z.B. Kataster – zur Verfügung. Darüber hinaus steht für die einzelnen Gebiete nicht nur eine, sondern mehrere verschiedenartige Kartendarstellungen zur Verfügung: neben „klassischen“ Darstellungen wie thematischen oder topographischen Karten können beispielsweise auch Luft- und Satellitenbilder, Karten der Flächenwidmung oder der realen Vegetation abgerufen werden. Bei manchen Webseiten können die BenutzerInnen auch nach verschiedenen Kriterien nach Orten suchen. Zusätzlich können die AnwenderInnen auswählen, welche Daten angezeigt werden und erhalten so speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Informationen.
GIS kämpfen – trotz des großen Potentials, das sie für einen aktiven und abwechslungsreichen Geographieunterricht bieten – in der Schule immer noch um ihr Ansehen – auch wenn beispielsweise der Lehrplan für Geographie und Wirtschaftskunde in der AHS-Oberstufe vorsieht, dass im Unterricht „…neben traditionellen geographischen Arbeitsformen insbesondere die Möglichkeiten der IKT zur Gewinnung sowie Verarbeitung und Darstellung geographischer und wirtschaftskundlicher Informationen zu nutzen“ sind. Lehrkräfte haben aber oftmals Berührungsängste mit der vermeintlich unüberschaubaren Technik und Vorbehalte gegenüber der Anschaffung teurer Software.

Kompensiert werden können diese Bedenken bezüglich des Einsatzes von GIS im Unterricht durch so genannte Web-GIS-Dienste. In der Folge wird sich dieser Artikel ausschließlich mit diesen befassen. Unter Web-GIS-Diensten versteht man Web-Seiten, auf denen online Karten und ortsgebundene Informationen (GeoInformationen) abgerufen werden können. Durch den Aufruf dieser Web-Seite, durch Klicken in die Karte oder durch die Auswahl eines Themas wird eine Anfrage an den Web-Server gerichtet, auf dem sämtliche relevante Daten gespeichert sind. Dieser liefert den gewünschten Kartenausschnitt und die thematische Information auf den Bildschirm des Benutzers zurück. Somit verknüpft ein Web-GIS die einfache Bedienung des Webs mit der Funktionalität eines geographischen Informationssystems.
Für die Verwendung von Web-GIS-Angeboten müssen – abgesehen von einer leistungsstarken Internetanbindung, damit ein reibungsloses Arbeiten gewährleistet werden kann, keine besonderen technischen Anforderungen erfüllt werden. Natürlich wäre es, um in der Klasse praktisch mit derartigen Systemen arbeiten zu können, wünschenswert, eine entsprechende Anzahl von Computern zur Verfügung zu haben.
Kinder und Jugendliche nutzen das Internet fast selbstverständlich und kommen dabei auch häufig mit Web-GIS in Berührung. Zumeist erfolgt dies in Form von Online-Diensten, die auf bereits vorhandene Daten zugreifen – in der Regel bloße Auskunftssysteme wie z.B. Routenplaner oder Stadtpläne, aber als besonders eindrucksvolles Beispiel auch Google Earth, das einen virtuellen Globus darstellt. SchülerInnen haben aufgrund der bekannten Nutzungsumgebung, in der sie diese GIS auffinden, keinerlei Berührungsängste. Sie können die grundsätzliche Handhabung zumeist problemlos bewerkstelligen und somit auf ihren Vorkenntnissen und Erfahrungen aufbauen. Somit wird ihnen von Anfang an die Praxisrelevanz des Themas vermittelt und die Motivation und Akzeptanz des Themas gesteigert.
Web-GIS ermöglicht einen schüler- und lehrerfreundlichen Zugang zu GeoInformationen von der globalen bis hin zur lokalen Maßstabsebene. Damit steht ein weiteres Medium mit Karten, Bildern und tabellarischen Informationen zur Verfügung. Seine Stärke ist die Interaktivität; sinnvolle Fragen können gestellt und individuell beantwortet werden.
Da Web-GIS geringe technische Barrieren aufweisen und darüber hinaus die Bedienung zumeist sehr einfach und intuitiv erfolgt, eignen sie sich hervorragend als Einstieg in die Welt der GIS. Nachteile dabei sind allerdings, dass man rund um die Aktualisierung der Daten von Externen abhängig ist und dass erst durch ein komplexeres Desktop-GIS die pädagogischen Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden können – etwa im Hinblick auf problemlösendes Lernen. In den meisten Fällen ist allerdings ein Web-GIS für den Unterricht vollkommen ausreichend.
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Quellen: http://www.bmukk.gv.at/medienpool/11858/lp_neu_ahs_06.pdf http://www.igf.uni-osnabrueck.de/dateien/delange_AGIT_06.pdf http://www.eduhi.at/dl/koller_basisartikel.pdf
Bildquellen: www.sxc.hu / ilco (Header) http://s3.amazonaws.com/Arc2Earth_1170670118/World_Elevation/gmviewer.html |