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Twitter-Nutzung im Unterricht und in der Lehre

Ein Interview mit Mag.a Dr.in Jutta Pauschenwein

Als Leiterin des ZML – Innovative Lernszenarien, dem Forschungsinstitut der FH JOANNEUM, ist Mag.a Dr.in Jutta Pauschenwein laufend neuesten Trends und Entwicklungen in den Bereichen E-Learning und Lehre auf der Spur. Dem Phänomen Twitter hat sich Jutta Pauschenwein unter anderem über diverse konkrete Experimente mit dem Werkzeug im Rahmen ihrer Lehre genähert. Einige interessante Erkenntnisse verrät sie in diesem Interview.


e-LISA academy: Wie würden Sie das Phänomen Twitter kurz beschreiben?


Mag.a Dr.in Jutta Pauschenwein: „Twittern“ ist kurz gesagt SMS-Schreiben im Internet.

Wie wird Twitter derzeit von den verschiedenen UserInnen-Gruppen genutzt?


Twitter wird sehr breit und sehr unterschiedlich genutzt, zum Beispiel zum informellen Austausch. Man lernt sich über Twitter besser kennen und es macht Spaß, zu „twittern“. Twitter wird sowohl privat als auch beruflich genützt – für mich ist es zum Beispiel mittlerweile zu einem wichtigen Wissensmanagementwerkzeug geworden.

Wird an Österreichs Schulen und Universitäten bereits „getwittert“? Wenn ja, wie?

Im Hochschulalltag – der Bereich, über den ich am meisten sagen kann – wird Twitter in erster Linie zum Austausch genutzt, aber auch immer öfter als Plattform für Tagungsdiskussionen verwendet. Kürzlich fand zum Beispiel das educamp in Graz statt, zu dem „getwittert“ wurde. Hier finden Sie über die Twitter-Suche alle Beiträge dazu: www.twazzup.com/?q=ecg09&l=all.

Welche Themen oder Szenarien eignen sich im Unterricht besonders gut für den Einsatz von Twitter?

Grundsätzlich lässt sich Twitter wie viele andere E-Learning Werkzeuge in fast allen Fächern einsetzen. Im Bereich Marketing könnte man über Twitter z.B. Diskussionen über bestimmte Produkte führen. In der Politischen Bildung bietet sich eine nähere Analyse der „Twitterer“ aus dem Iran regelrecht an – diese könnte z.B. gleich direkt über Twitter geführt werden. Auf der Meta-Ebene findet auch die Vernetzung der E-Learning Community schon zu einem großen Teil über Twitter statt.

Was ist der Mehrwert von Twitter im Unterricht und in der Lehre?


Der Mehrwert von Twitter ist, dass sich dort online lernende Gruppen sehr gut sozialisieren können. Es wird über alles Mögliche „gezwitschert", was eine gute Ergänzung zu einer Lernplattform ist, auf der es doch vor allem um bestimmte Aufgaben geht.

Wo liegen die Herausforderungen beim „Twittern“?


Die große Herausforderung ist es, beim „Twittern“ so lange durchzuhalten, bis der Nutzen für einen selbst sichtbar wird.

Gibt es eigentlich Unterschiede im Twitter-Verhalten von Frauen und Männern?


Ja, bei meinen Twitter-Experimenten im Rahmen meiner Online-Fortbildungen konnte ich einige Unterschiede im Twitter-Verhalten von Frauen und Männern feststellen. Aus einer Untersuchung von 31 Personen (TeilnehmerInnen von Online-Kursen) gingen folgende Ergebnisse hervor:

Twitter
-Identität:
  • Frauen wählen als ihre Twitter-Usernamen am liebsten einen Fantasienamen.
  • Männer wählen lieber einen Namen, der Teile des eigenen Namens enthält.
  • Männer wählen eher ein Bild von sich selbst aus, Frauen wählen eher ein Tier, oder eine (Puppen)Figur.
Inhaltliche Nutzung von Twitter:
  • Frauen geben öfters ihr eigenes Stimmungsbild wieder als Männer.
Weitere Ergebnisse können Sie hier nachlesen.

Welche Tipps würden Sie Kollegen und Kolleginnen geben, die zum ersten Mal „twittern“?

Ich empfehle, das „Twittern“ auf keinen Fall alleine auszuprobieren, sondern mit einer Gruppe von zumindest 5 Personen, die sich gegenseitig „folgen". Nur auf diese Art und Weise tut sich über Twitter was und man fühlt sich nicht allein. Das Potential von Twitter für mich habe ich erst nach einem Jahr so richtig realisiert.

Wie glauben Sie, wird es mit Twitter weitergehen? Handelt es sich dabei nur um einen Hype, der in einem Jahr kaum noch jemanden interessiert oder um einen zukunftsweisenden Trend?


Ich glaube und hoffe, dass Twitter überleben wird!

Vielen Dank für das Interview!

 

 

Kommentare  

 
0 #1 Werner Prüher 2009-12-04 17:52
Die "Twitter-Experience" habe ich selbst erst nach ca. 60 - 100 Followern erlebt, ich glaube nicht, dass sich bei 5 Followern schon was tut.

Tipp: Einfach anfangen und möglichst vielen Leuten folgen, denen man im Alltag auch gerne zuhören würde. Nach einiger Zeit empfiehlt sich eine Twitter-Software (wie z. B. Tweetdeck oder Twhirl, ...) um das Ganze komfortabler zu gestalten.

Schließlich: einfach den Mut haben, nicht alles zu lesen, was daher kommt, so wie bei Blogs auch.

Ah ja: Im Englisch-Unterricht habe ich in einer Vier-Stunden-Sequenz (mehr Zeit war leider nicht drin) versucht, Twitter sinnvoll einzusetzen: Kooperation mit New-Yorker Schule, sich gegenseitig folgen, über's Leben twittern. Ohne Erfolg: Den Schülern hat Twitter überhaupt nicht gefallen.

@prueher
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