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Forschungsprojekt „INTERNET in der Schule – Schule im INTERNET“

Wie passt die tradierte Kultur der Schule mit ihren scheinbar selbstverständlichen Rollenbildern von Lehrenden und Lernenden zu den rasanten Entwicklungen der Wissens- und Informationsgesellschaft? Dieser Frage geht die nun veröffentlichte, vom bm:ukk beauftragte und von der Universität Wien durchgeführte, qualitative Studie nach.

 

Praktiken von Schülern und Schülerinnen im und mit dem Internet

(bra) Die Studie basiert auf einer empirischen Erhebung, bei der mit 117 Schülern und Schülerinnen der achten und zehnten Schulstufe sowie 47 Lehrenden Gespräche geführt wurden. Dabei zeigt sich, dass die Informationsbeschaffung im schulischen Kontext von Schülern und Schülerinnen in erster Linie über das Internet durchgeführt wird. Ein quellenkritischer Umgang und Zitation spielen in Beurteilungskontexten eine größere Rolle als in allgemeiner Recherche.

Internetbasierte soziale Kommunikation, vor allem in Social Networks, wird von Schülern und Schülerinnen sowohl in den schulischen als auch in den privaten Alltag in verschiedenem Ausmaß integriert und heterogen bewertet. Beispielsweise empfinden einige das parallele Kommunizieren über diverse Kommunikationswerkzeuge als störend und andere wiederum als gut bewältigbar. Die daraus entstehenden Phänomene, wie enthemmte Kommunikation, effizienter Sprachgebrauch und virtuelle Freundschaften, werden von Lehrpersonen hauptsächlich als negativ bewertet, da hieraus eine „negative Kommunikation“ resultiere.

Auch Unterhaltung im Internet wurde mit den Befragten thematisiert. Relevant für die Rezipienten und Rezipientinnen sind hier im Besonderen Online-Spiele sowie Videos und Musik. Die rezipierten Medien enthalten häufig Gewaltinhalte, wobei den Schülern und Schülerinnen ein eher gering ausgeprägtes Gewaltbewusstsein diagnostiziert wird bzw. auch mit einem vorhandenen Bewusstsein kein Ablehnen dieser Inhalte verbunden zu sein scheint. LehrerInnen, auf der anderen Seite, werten die rezipierten Unterhaltungsangebote als tendenziell negativ und assoziieren Unterhaltung im Internet mit Gewaltinhalten und unreflektierter Nutzung.

Das Internet in der Unterrichtspraxis

Die Relevanz einer didaktischen Vermittlung von Internetkompetenz und das Bedürfnis sich diese anzueignen scheint für LehrerInnen durchaus gegeben – so auch meist die technischen Voraussetzungen. Die größten Hürden stellen das Fehlen des didaktischen Know-Hows, der organisatorische Aufwand und die fehlende Koordination zwischen den Fächern dar. Als besonders relevant werden „Strategien der Informationsrecherche“ und „Strategien der Vermeidung von Gefahren“ empfunden.

Zentrale Problemfelder

Wie die Studie zeigt, kristallisieren sich sechs zentrale Problemfelder aus dem Arbeiten mit dem Internet im österreichischen Schulkontext heraus. So ist beispielsweise das Schulsystem stark auf ein bestimmtes Leistungsprinzip ausgerichtet, an dem sich SchülerInnen in ihren Handlungen implizit und explizit zu orientieren scheinen. Hieraus ergibt sich, so eine These, dass weniger Wert auf inhaltliche Qualität von Informationen aus dem Internet gelegt wird, als auf die Präsentationsform. Weitere thematisierte Problemfelder sind: Das Vertrauen in Infoquellen, Verlust von Zeitgefühl, schülerInnenbasierte Online-Supportnetzwerke und ihre Effekte auf Motivation, Angst vor Kontrollverlust über Technik, Aufmerksamkeit und Wissensvermittlung und letztlich auch das Fehlen von didaktischem Methodenwissen.

Wo stehen wir, was brauchen wir?

Das Fazit dieser Studie ist ein bedenkliches, jedoch auch zukunftweisendes: Unser System Schule passt sich zu langsam an die Veränderungen, die mit der Entwicklungen der Wissens- und Informationsgesellschaft einhergehen, an. Auch wenn das Bewusstsein um die Relevanz der medienkritischen Internetnutzung laut dieser Befragungen bei vielen Lehrenden bereits vorhanden ist, so mangelt es massiv an zeitgemäßer Didaktik.

Hier können Sie den vollständigen Bericht bzw. eine Kurzform downloaden:
www.bmukk.gv.at/schulen/sb/schule_internet.xml

 

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